Weihnachtskugeln im Kaktus und Linsen im Sektkühler

Nein, ich mag keinen Knoblauch!“, „Ich hasse rohe Zwiebeln!“, „Schweinefleisch esse ich nicht!“ „Fisch mag ich gar nicht!“  „Für mich bitte nur vegetarisch!“ „Scharf kann ich definitiv nicht essen, an mein Essen keine Chillis!“ — erschwerte Bedingungen auf unserem Silvestertörn…

Die ultimative Lösung von Ulli: drei Tage Linsensalat ;-) . Eigentlich sollten die Linsen nur für den Nachtschlag sein.  Aber erstens quellen Linsen sehr auf und zweitens waren wir auf dem Nachtschlag dann leider fast alle seekrank. (Die lange Atlantikwelle ist schon fies!)

 

So gab es den Linsensalat auf 2000m Höhe im Lavagestein des Teide aus einem großen Kochtopf, es gab Linsen nach 700 Höhenmetern am Strand der Masca-Schlucht, … Linsen gab es abends vor dem Schla- fen, Linsen gab es morgens zum Frühstück, auf See als kleinen feinen Snack am Mittag. Aber die Linsen waren wirklich lecker und vor allem ohne Knoblauch, rohe Zwiebeln und Fisch…

Neben dem kulinarischen Linsenhighlight gab es tierische Höhepunkte,  wie z.B. Delfine, Wale und fliegende Fische zwischen den Inseln, eine zahme Krähe am Kraterrand auf 2400m Höhe und die vielen nicht gefangenen Fische – trotz Profi-Angelequipment und wahrer Ausdauer von unserem Skipper Cüneyt.

Wir hatten auch sportliche Highlights wie die Klimmzüge an der Kaimauer (wegen des Tidenhubs auf Gomera), die Aerobic-Stunde mit den Mädels auf dem Vordeck, die Suche nach der optimalen Poledance-Stange, das Anbaden am Neujahrstag am schwarzen Strand, einen Badestopp mitten im Atlantik mit Spifall-Akrobatik und einen   zweistündigen Jogging-Marathon an
Silvester, um gerade noch das letzte Auto der Insel zu mieten.

Zu den klimatischen Highlights gehörten das Bikiniwetter am Strand und die 5°C an der Caldeira de Taburiente, dem Kraterrand auf La Palma.  Überrascht hat uns auch der Passatwind, der nicht immer aus Nordost, sondern teilweise auch aus West mit bis zu 35 Knoten weht.

 

Die Feiertagshighlights waren die aufgebrezelten Spanier in Abendkleidern und Anzügen, die in den Gassen von Santa Cruz zu Livemusik getanzt haben oder die Party in der Marina auf der wir mit Papphüten bis sechs Uhr morgens um die Weihnachtsdeko herum getanzt haben.

Auch der Abend auf Gomera, im Valle de Gran Rey, mit Trommlern und Tänzern, Wein und Wellen im Sonnenuntergang, die Serpentinen-Fahrt zum riesigen Kraterrand auf La Palma, die beeindruckend steilen Klippen von Los Gigantes, und der legendäre Lukentest (“wer passt durch und wer bleibt stecken?”), unser Silvestermenü, was wir ganz ohne Linsen zubereitet haben, waren Höhepunkte unseres diesjährigen Kanarentörns!

 

 

Organisationstreffen im nassen Norden

Zwei Tage in Bremen…  die Erinnerungen an die letzte sonnige Segelsaison und die Vorfreude auf 2012 haben uns zu kreativen Hochformen auflaufen lassen.
In gemütlicher Runde bei grauem Matschwetter haben wir die Planungen für die nächste Saison konkretisiert, über mögliche weitere Reviere nachgedacht und Aufgaben verteilt.  Zum Orgateam ist Aleks als Studentin dazu gekommen. Sie war schon bei zwei Törns dabei und wird ab sofort das JTC-Team unterstützen.
Wir waren uns einig, dass Join The Crew das bleiben soll, was ihr und wir daran schätzen: Segeln mit aufgeschlossenen jungen Leuten, die Spaß am Miteinander und dem  Entdecken von Kulturen und Landschaften haben.

Vom Wasser zum Wasserturm

Fünf Nationen, 80 Segelfreunde, ein Wochenende – Erinnerungen an den Sommer aufkommen lassen, die langvermisste Segelcrew wiedertreffen, neue Leute kennenlernen – das Aftersail-Wochenende zum Abschluss der Segelsaison bei JTC hat Tradition.
Los geht es am Freitagabend in der Heidelberger Altstadt.  Die obligatorische Kneipentour  endet in den frühen Morgenstunden…  Samstagmittag dann:  Philosophenweg, Konterbier, Alte Brücke, Falafel, Kaffee und Schloss.  Kurze chillige Entspannungsphase in Steffi‘s Hostel, dem Ibis Hotel oder bei  Heidelberger-Crewmitgliedern.
Ab 20:00 Uhr dann die Aftersailparty  im Wasserturm:  karibische Cocktails, frisch importierter polnischer Wodka, Videos und die Diashows der Segelsaison.  Die Törns und Skipper der nächsten Saison  werden vorgestellt.  Jede Menge Leute, die Freude am Wiedersehen,  an der Musik von DJ Joey,  am Tanzen und am Feiern haben:  „Ich bin nach Heidelberg gefahren und hab mich so gefreut, meine Crew wieder zu treffen und ich hab außerdem so viele neue tolle Leute kennen gelernt.  Also 2012 auf jeden Fall Karibik!“
Sonntagmorgen: Abhängen auf den Sofas im Mildner’s, nebenbei frühstücken.  Dann der Abschied mit gemeinsamen Plänen für den nächsten Törn.Fotos: Jan Ksienzyk

Auf Erkundungstour für die Griechenlandflotille 2012

20. Oktober in der Marina Kalamaki, Athen: Es ist absolut still, menschenleer außer ein paar Mechanikern, die entspannt die Boote reparieren. Ein Kran hebt Schiffe aus dem Hafenbecken. Von der Hektik und Lautstärke des Sommers keine Spur. Auch die sengenden Hitze und stehende Luft der Hochsaison ist einem angenehmen Lüftchen gewichen. Ein paar Kilometer weiter toben im Zentrum Athens die Krawallen  –  auch davon bekommen wir hier nichts mit.

Vier Tage hat sich Dominik Zeit genommen, um gemeinsam mit  Giorgos, dem Vercharterer der Join The Crew Segeltörns in Griechenland, aber vor allem sehr guten Freund, die schönsten Orte und Buchten für die Griechenland- Flottillen des nächsten Sommers zu erkunden. Und wie sich zeigen wird, hat Giorgos als Einheimischer viele Geheimtipps in petto…

Neben den Informationen von Giorgos werden mit Hilfe des Greek Water Pilot, dem Revierführer für Segler in Griechenland und von Seekarten eine Bucht, ein Hafenstädtchen nach dem anderen erkundet. Wassertiefe, Windrichtung, die Möglichkeit, mit vielen Booten nebeneinander zu ankern ausführlich überlegt und Spekulationen darüber angestellt, wie frequentiert wohl jeder einzelne Ort in der Hochsaison sein wird.

Spontan, um nicht zu sagen äußerst spontan, bin ich vom Organisationsteam noch dazu gekommen und habe die Aufgabe, jede Bucht  fotografisch festzuhalten, zur Erinnerung und für die Vorbesprechung der Törns beim Skippertreffen. Nicht die schlechteste Aufgabe zu einer Zeit, in der in Deutschland die Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad liegen…

 „Es ist Jahre her, dass ich mit so wenigen Leuten auf dem Schiff war, anfangs ist das ein merkwürdiges Gefühl“ so Dominik. „Aber ich freue mich sehr, dass ich endlich Zeit habe, mit Giorgos diesen Trip zu machen. Während der Törns bleibt uns immer sehr wenig Zeit, die wir miteinander verbringen können.“

Und das Fazit am Ende des Vorbereitungstörns:  Wir sind uns sicher, dass Griechenland nach wie vor eins der Lieblingsreviere von Join The Crew bleiben wird. Das einzige Problem, das wir haben: Es gibt zu viele schöne Buchten, zwischen denen wir uns entscheiden müssen…

Segeln mit Join The Crew : Greece meets Turkey 2011

von Kerstin und Christoph.

„Guten Morgen Sonnenschein“, so fing  jeder der insgesamt 14 perfekten Segeltage an, an denen wir mit unserer kleinen Flottille von Rhodos ausgehend das Mittelmeer entlang der türkischen Küste erkundeten. Für mich sollte es der erste Törn als Skipper für Join The Crew werden. Und so viel vorweg: ich hätte es mir niemals so schön vorstellen können. Aber fangen wir von vorne an:

Schon der erste Tag beginnt vielversprechend. Nachdem sich tagsüber sonnen- und segelhungrige Menschen aus den verschiedensten Ecken der Republik in der Marina in Rhodos eingefunden haben, geht es nach einer ausführlichen Bordeinweisung zu einem gemütlichen Abendessen in die Altstadt. Beim ersten Ouzo zwischen troubliger Partymeile und archaisch anmutenden Gebäuden werden schnell Freundschaften geschlossen und als es am nächsten Tag bei leichtem Wind Richtung Symi losgeht, hat eigentlich jeder vergessen, dass  er die anderen Crewmitglieder vor 2 Tagen noch gar nicht kannte. Nach einem entspannten ersten Segeltag gehen wir dann schließlich in einer tief einschneidenden und gut geschützten Bucht unterhalb eines alten Klosters vor Anker. In den nächsten Tagen verlassen wir Griechenland und segeln entlang der türkischen Küste. Auch Ende September herrschen hier noch hochsommerliche Temperaturen und so freuen wir uns alle auf die Abkühlung, die uns in Datca erwarten sollte:  in unmittelbarer Nähe zum Strand befindet sich hier ein Süßwassersee, der über einen Wasserfall im Meer mündet (so der Reiseführer). Der Wasserfall entpuppte sich zwar eher als Wasserfällchen, aber der Spaß war dafür umso größer. Nach unserem Aufenthalt in Datca machen wir uns auf die Suche nach einsamen und verträumten Buchten und entdecken schließlich Dirsek. Eine gut geschützte Bucht, die zum Baden und Schnorcheln einlädt.  Abends geht es mit dem Dinghi an den Strand, wo wir auf dem Lagerfeuer unser Abendessen zubereiten. Bevor wir die Türkei wieder Richtung Griechenland verlassen, besuchen wir noch die altertümliche Stadt Knidos mit ihren Ausgrabungsstätten, von wo aus wir am Abend die sich vor uns ausbreitende Insellandschaft im Sonnenuntergang bestaunen. Auf dem Rückweg  machen wir Halt in Symi Stadt, die uns mit ihrem reizvoll gelegenen Hafen sofort in ihren Bann zieht. Spontan werden Roller für die gesamte Crew ausgeliehen, um die Insel auf zwei Rädern zu erkunden. Zur Belohnung erhalten wir traumhafte Aussichten auf die Stadt und die umliegenden Buchten. Bevor wir nun endgültig Richtung Heimathafen auslaufen, machen wir noch einen Badestopp in der Bucht Thessalona mit ihrem glasklaren Wasser und der imposanten Felswandkulisse.  Nach einer traumhaften Segelwoche wird in Rhodos nochmal ausgiebig gefeiert. Denn für den größten Teil der Crew endet der Törn leider schon nach der ersten Woche. Es war eine fantastische Zeit, in der aus einer unbekannten Gruppe eine tolle Gemeinschaft entstanden ist. Entsprechend schwer fiel uns allen der Abschied voneinander. 

Schon am nächsten Tag werden die freien Kojen von der neuen Crew bezogen, die von den Seglern der letzten Woche und uns Skippern mit Begeisterung empfangen wird.  In der Morgensonne segeln wir von Rhodos nach Fethiye – knapp 50 Seemeilen. Der ein oder andere lässt sich auf diesem Schlag noch mal das Frühstück durch den Kopf gehen…  aber nach einer kurzen Gewöhnungszeit sind alle Anzeichen von Seekrankheit verflogen und jeder langt ordentlich zu als abends auf einem kleinen Platz in Fethiye der frisch vom Markt gekaufte Fisch serviert wird.  Der Tag endet perfekt, als sich schließlich noch zwei Delfine in der Nähe unserer Boote blicken lassen.

Nach mehreren Badestopps, Schnorchelrunden und Fenderbording liegen wir ein paar Tage später in  Ekincik vor Anker: Welcome to Paradise! Wir fühlen uns wie in einer exotischen Wellnessoase: Wasser, Wetter, Laune… und die erste richtige Dusche nach 4 Tagen, hier scheint einfach alles vollkommen zu sein!

Am Nachmittag starten wir mit einem Wassertaxi zu einer Exkursion der nahe gelegenen  Marschlandschaft und dem „Turtle-Beach“. Aber nicht nur Wasserschildkröten und Kultur sind auf dieser Tour inklusive sondern auch eine samtweiche Babyhaut. Denn nach einer kurzen Besichtigung der Überreste einer ehemaligen griechischen Siedlung (an dieser Stelle herzlichen Dank an Arne, unseren Mann vom Fach!) verwandeln wir uns in grüne (Heil-)Schlammmonster.

Schließlich gehen wir in Marmaris vor Anker; unser letzter Stopp bevor es wieder Richtung Rhodos geht. Was haben wir nicht alles in dieser kurzen Zeit erlebt:  Sonnenauf- und Untergänge, Lagerfeuerromantik am Strand, Nachtsegeln, Sternschnuppen, kristallklare Buchten unter strahlend blauem Himmel, eigentlich möchte niemand mehr zurück. Unsere buntgemischte Crew ist in der Zeit richtig zusammengewachsen und so ein bisschen hat jeder das Gefühl in einem Traum zu sein, in dem Ort und Zeit keine Rolle mehr spielen und wir uns nur von Wind und Wellen in den Tag treiben lassen.

 

Das Licht macht den Unterschied


Zwei schlaflose Nächte hinter sich – die erste, um die Deadline für die Abgabe der Bachelorarbeit in Physik einzuhalten, die zweite für das Packen von drei Kameras, fünf Objektiven, sechs Akkus, zehn Speicherkarten und allen anderen Dingen, die man sonst noch für einen zweiwöchigen Segeltörn benötigt. Dieses Gefühl, sich mit Augenringen, fünf Stunden Flugverspätung und Klamotten, die sich eher für einen verregneten Sommertag in Deutschland, als für die hochsommerlichen Temperaturen in einem Yachthafen in Kroatien eignen, fehl am Platz zu fühlen. Nicht zu wissen, wer und was einen gleich erwartet, wenn man das Segelschiff gefunden hat, das für die nächsten zwei Wochen Mittelpunkt des Lebens und des Fotografierens werden wird.
Christoph Dressler ist 23 Jahre alt und Physikstudent. Seit er 15 ist, fotografiert er leidenschaftlich. Menschen und Situationen so abzulichten, dass andere sagen: „Ja, so ist die Person, so kenne ich sie, genau so ist es gewesen“ ist sein Ziel und Anspruch dabei. Dass ihm das immer wieder gelingt, kann man bei den Hochzeitsreportagen, die den Schwerpunkt seiner fotografischen Tätigkeit darstellen, sehen – und in Kürze wohl auch im Heidelberger Studikalender, für den er federführend verantwortlich ist.
Von Join The Crew hat er über einen Freund erfahren.  Dominik Grotowski, der Join The Crew 2005 gegründet hat und Segeltörns für junge Leute in den verschiedensten Regionen der Welt anbietet, war auf der Suche nach einem Fotografen,  sozusagen  „Fotos gegen Koje“. Schon beim ersten Gespräch war klar, dass dies nicht nur heißen würde als beobachtende Person eine Reportage zu erstellen, sondern als vollwertiges Crewmitglied das zu erleben, was einen Segeltörn bei Join the Crew ausmacht und dabei in den richtigen Momenten auf den Auslöser zu drücken, um die Faszination auch für andere Menschen greifbar zu machen.
Bei seinen Reportagen legt Christoph Dressler größten Wert auf das optimale Licht, so auch bei der Dokumentation dieses Segeltörns. „Für ein wirklich gutes Foto reicht es nicht aus, wenn die Leute Spaß haben. Da muss das ganze Setting stimmen.“  Durch das tolle Licht in den Morgen- und Abendstunden und die Action an Bord entstehen bis zu 600 Fotos pro Tag – über 7000 Fotos in zwei Wochen. Die Bilder werden manuell (also ohne Automatik) belichtet – alle Einstellungen komplett unter Kontrolle zu haben ist für ihn die Grundvoraussetzung gelungener Fotos.
Dass es eine ganz neue Welt zu entdecken gibt, wenn man das erste Mal auf einem Segeltörn ist, erlebt er hautnah. Fremd sind nicht nur die 25 Mitsegler, sondern auch Begriffe wie Winsch, Achterliek, Großfall und Schoten – nur backbord und steuerbord kennt Christoph Dressler schon vom Windsurfen. “Fotografisch ist es sicher ein Vorteil, dass ich vorher noch nie länger gesegelt bin. So bin ich als Außenstehender dazu gekommen und habe auch mit der Kamera alles zum ersten Mal entdeckt.“ Bei seiner Reportage greift er nicht viel ein, sondern hält Situationen so fest, wie sie sich ergeben. Die Motive scheinen unerschöpflich: Steuern, Segel setzen, Schlafen an Deck, Party am Strand, Fahren im Dinghy, die anderen Boote der Flotille, Manöver , Landschaftsaufnahmen, Einzelportraits. „Bei so einer Reise gibt es einfach viele unwiederbringliche Momente. Wenn ich es schaffe, diese Momente so einzufangen, dass die Fotos bei den Mitseglern die Erinnerungen und das Gefühl von diesem Moment wieder hervorrufen, dann gibt mir das unglaublich viel.“ so Christoph Dressler. Um bestimmte Bildideen zu realisieren muss man oft viel mitdenken, und überlegen, was als Nächstes passieren könnte.  Wenn sich zum Beispiel nach einer gefahrenen Wende der Stand der Sonne in Bezug auf das Boot ändert und damit der Lichteinfall auf das gesamte Situation ein anderer wird, muss die Belichtung natürlich entsprechend angepasst werden.
Nur wenige der Fotos sind gestellt. Bei diesen handelt es sich meist um spontane lustige Ideen, die dann umgesetzt werden, z.B. einen Eimer Wasser, den die Leute über den Kopf gekippt bekommen, ein Retrostyle-Fotoshooting auf der Yacht, oder eben die obligatorischen Gruppenfotos am Ende der Reise.
Die Nachbearbeitung der Fotos nimmt mehrere Tage in Anspruch. Nach doppelter oder dreifacher Sicherung werden die Bilder in drei Durchläufen gesichtet und dabei die Besten herausgesucht.  Nur 10% – 20% sind wirklich gut. „Oft mache ich von schönen Situationen gleich mehrere Bilder, um sicherzugehen, dass die Person gut getroffen ist“ so der Fotograf. In Lightroom optimiert er die Fotos; kleine Korrekturen bezüglich Weißabgleich, Ausschnitt und Kontrast geben den Bildern im Nachhinein den letzten Feinschliff, auf größere Bearbeitung verzichtet er bewusst.
Übrig bleibt eine Auswahl,  die sofort das Gefühl und die Erinnerung wieder hochbringen. Ob es für ihn einen ganz besonderen Moment gegeben hat? „An einem Abend bin ich mit einigen Crewmitgliedern auf einen kleinen Berg geklettert und habe mit einer Reihe von Fotos die Abendstimmung mit einsamen Inseln, unseren Booten, dem Meer und den Leuten eingefangen. Als ich fertig war, hatte sich der Rest schon wieder auf den Rückweg zu den Booten gemacht und ich war noch einen Weile auf dem Gipfel alleine. Ich hab die Kamera weggepackt, die Augen geschlossen und einfach den Moment genossen. Das war ein irres Gefühl.“
Nach zwei Wochen endet die Reise, wie sie begann – mit zwei schlaflosen Nächten und Augenringen – diesmal allerdings vom Feiern. Mit etwa 7000 Fotos im Gepäck geht es über die Gangway an Land und mit dem Flieger zurück nach Deutschland.
„Ich freue mich immer, wenn ich Leute treffe, die eine Leidenschaft für etwas haben. Und noch mehr freue ich mich, wenn jemand diese Leidenschaft lebt. Und diese beiden Dinge habe ich bei Christoph gesehen!“ so das Fazit von Dominik Grotowski.

Eine Auswahl der Fotos ist auf der Facebookseite von Join The Crew zu sehen: http://www.facebook.com/Join.The.Crew.Right.Now
Weiter Infos zu Christoph Dressler: www.dressler-photography.com
Weitere Infos zum Studikalender: www.studikalender-hd.de

Logbuch der “Sanja”, Sonntag, der 31.Juli 2011 (von Mo und Annika)

Skipper “Mo” (Moritz Wichmann, 25, Student aus Berlin):

07:00:
Ich wecke die Crew, Maschine an, nachdem wir das Manöver vorbesprochen haben, legen wir ab, – mein erster Törn als Skipper bei Join the Crew beginnt, – wir nehmen Kurs auf Vis, wenig Wind.

08:00:
Groß und Genua gesetzt, lauer Wind, 3 Beaufort.

08:30:
Gigantischer Obstsalat an Deck, dazu Rührei, frischen Kaffee und acht segelbegeisterte Crewmitglieder – wir genießen das Frühstück.

09:30:
Die „Jaguar“ kommt längsseits, ein Fernglas wird übergeben, ich erinnere mich, dass ich erst vor vier Monaten meinen ersten JTC-Törn gemacht habe.

11:15:
Ich übergebe das Ruder an meinen Co-Skipper Volker, der gerne mal für 1-2 Stunden das Schiff übernimmt, studiere in der Navigationsecke den Revierführer auf der Suche nach Ankerbuchten und entspanne mich – immer abrufbereit – im Salon, weiter Wind mit 2-3 Bft., sanfte Fahrt mit Kurs 230 Grad. Wir passieren die Meerenge zwischen Solta und Brac, Milna querab.

12:30:
Meine Crew ist total interessiert, will Knoten lernen, Ruder gehen und hat viele Fragen zum Segeln, ich zeige den Palstek als Rettungsschlinge mit einer Hand.

14:00:
Wir besprechen die Wünsche und Vorstellungen für die Woche, die Crew sehr will so schnell wie möglich nachts segeln, wir sichten Delfine an Steuerbord.

15:00:
Segel bergen, Anker fällt, Badestopp in einsamer Bucht, der Baum wird ausgebaumt und als „ins-Wasser-Spring-Hilfe“ genutzt.

17:00:
Maschine an, Anker auf, wir nehmen Kurs auf eine Bucht auf der kleinen Insel Bisevka und ankern längsseits im „Päckchen“ an den anderen Booten unserer Flottille.

18:30:
„Let go“ – der Anker fällt in einer kleinen Bucht, Landleine wird festgemacht, Maschine stopp, mit dem obligatorischen Anker-Bier wird auf den Tag angestoßen, die Crew bereitet gemeinsam das Abendessen vor (einen Backschaftsplan gibt es nicht mehr, da eh alle mithelfen). Es gibt Nudeln mit Soße und dalmatischem Schinken.

20:15:
„Feed the skipper“ – ich werde von meiner Crew gut versorgt, die ersten 30 Seemeilen werden ins Logbuch eingetragen.

22:00:
„All station, this is Split Radio, the following weather forecast will be transmitted first in english, than in croatian“ – wir hören den Wetterbericht für den nächsten Tag und besprechen die Route mit den anderen Skippern. Wir sitzen mit Sternschnuppen, Rotwein, chilliger Musik im Cockpit – wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

00:00:
Ich liege müde und glücklich im Salon auf der Bank – der Skipperkoje, von hier aus ist man schnell an Deck, falls etwas passiert und beschließe, dass ich Ende September für Join the Crew als Skipper in der Türkei dabei sein werde.

Jungskipper Moritz – Eindrücke aus Kroatien


Moritz Küntzler, 23, Physiker aus Heidelberg:

„Als Skipper hab ich schon die erste Woche gebraucht, um mich an den konstanten Schlafmangel zu gewöhnen.  Aber dann hab ich meinen Rhythmus gefunden.  Selbst wenn ich nachts jede Stunde einmal aufgestanden bin, um den Halt des Ankers zu kontrollieren — an dieser Stelle viele Grüße an die Bora[1] —, hab ich es geschafft, am nächsten Morgen erholt aufzuwachen.“

Mit zwei Jahren hat Moritz auf der Yacht seiner Großeltern auf dem Bodensee am Ruder gestanden.  Dort gab es keine Bora und mehr Schlaf.  2010 auf dem ersten JTC-Törn war es schon anders: „Schlaftechnisch ist die Yacht kein Hotelzimmer, aber nach einem Tag mit Schwimmen, Sonnenbaden, Segel bedienen und viel frischer Luft schläft man wie ein Stein.“  Über Plakate an der Heidelberger Uni und über Google ist Moritz auf JTC aufmerksam geworden und war letztes Jahr in der Türkei zum ersten Mal dabei.  Schnell folgte ein SKS[2]-Ausbildungstörn und diesen Sommer die ersten Törns als Skipper in der Flottille.

„Es war schon eine Herausforderung,  als die Steuerung nicht mehr funktionierte, vier Leute seekrank waren, der Gaszug gerissen ist, wir ne Grundberührung hatten und am nächsten Tag das Genua-Fall runterkam.[3]“  Also wieder wenig Schlaf für Moritz.  „Aber dafür ist man als Skipper in der angenehmen Position, dass das Essen abends einfach erscheint.  Und wenn man dann zum Sonnenuntergang in  einer einsamen Bucht  liegt, dann ist sowieso alles gut!  Die Kochteams waren super und überhaupt haben die Crews gut harmoniert.  Es war gut,  dass die Leute sich vorher nicht kannten.  Ich hatte den Eindruck, dass sich das Team-Gefühl sehr schnell und ganz von allein eingestellt hat.“

Das beste Erlebnis auf der Reise war, obwohl auch dafür wieder eine Nacht Schlaf drauf gegangen ist: „Morgens um drei in Palmizana loszusegeln, bei sternenklarem Himmel und absolut ruhiger See.  Bei uns an Bord war es total ruhig, eine fast magische Stimmung.  Das Ganze wurde nur kurz unterbrochen, als wir an der „Jaguar“ (einer der beiden anderen Yachten der Flottille) längsseits gegangen sind und gemeinsam ein Lied gesungen haben, bevor wir dann mit den drei Booten in den Sonnenaufgang hineingesegelt sind.“

Moritz ist jetzt wieder in Heidelberg, allerdings nur noch bis morgen, dann geht es auf Wohnungssuche nach London, wo Moritz ab September seine Promotion beginnt.  Also wieder eher wenig Schlaf.  Aber dafür bestimmt bald wieder ein JTC-Törn.


[1] Die Bora ist ein kroatischer Fallwind und weht gerne mal mit 9 Bft.

[2] Seeküstenschifferschein

[3] Diese kleinen Probleme ließen sich in der Flottille durch Mithilfe der anderen Crewmitglieder beheben.

O -Töne der Kroatienflottille vom 30.07. – 06.08.2011

3 Boote, blaue Badebuchten, Berge, Bikiniwetter… das ist unser Start in den JTC-Segelsommer.  In der ersten Woche waren wir 27 junge Leute, haben die Inselwelt Kroatiens südlich von Split, die Festung von Hvar, 23 Knoten im Wassertaxi, gemeinsames Kochen, Manövertraining, Feiern an Bord, gutes Essen in der Altstadt von Split, viele Badestopps, kleine Wanderungen, das Chillen an Bord und vor allem das Zusammensein mit tollen Leuten genossen.

Und hier die O-Töne von Bord unserer Flottille:

“Das erste Mal seit vier Jahren, dass ich mein Handy ausgeschaltet habe und nicht erreichbar bin.”
Max, 29, aus Wien

“Am Spannendsten fand ich, dass man sich trotz des Zusammenlebens auf engem Raum so frei fühlt wie schon lange nicht mehr und viele Dinge hinter sich lassen kann.”
Helen, 26, Rechtsreferendarin aus Heidelberg

“Sexy cooking – meine Freundin erklärt mir Knoten - DJ  Joey”
Deen, 29, Referendar aus Berlin

“Whooooooooooh!”
Hanna, 29, aus Stuttgart

“Ich bin begeisterst von meiner Crew, wir halten uns nicht mehr an den Backschaftsplan, sondern alle helfen gemeinsam mit.  Auch der Anker lief leider zu gut ;-) , aber der Vorteil ist, dass wir jetzt einfach nur an den anderen Booten der Flottille festmachen müssen.”
Moritz, 25, Student aus Berlin

“Trotz extremen Schlafmangels ist mein gesamter Arbeitsstress von zu Hause von mir abgefallen. Das Nachtsegeln war total geil, der Himmel, die Sternschnuppen und dann der Sonnenaufgang vorm Strand.  Und jetzt zieh ich meinen neuen Superbikini an.”
Jenny, 25, Studentin aus Berlin

“Sehr entspannt, zum Abschalten extrem gut, Arbeit komplett vergessen, viel über Segeln gelernt und war super, dass wir alles selber machen konnten.”
Michael, 26, aus Hollabrunn (Österreich)

“Hammerrrrrrrferien!!! Ich bin extrem froh, das entdeckt zu haben, leider erst jetzt. Das U-Dinghy war legendär – die Crew auch!”
Michael, 30, Arzt aus Bern:

“Die Schweizer machen die Schnürli! Der Atti macht die Girls glücklich.”
Andreas, 30, Consultant aus Bern

“Tolles Wetter, fesche Girls, coolste Action und vor allem weit weg von der Arbeit. Ich will meeeeer!”
Attila, 30, Banker aus Zürich

“MOB – Manöver. Erste Frage: „Wer ist es?“
Niko, 25, aus Sheffiled (UK)

“Ich bin zum ersten Mal segeln.  Es ist für mich so toll, dass wir mitten in der Natur sind und  Orte entdecken, die von Landseite nur schwer zu erreichen sind. Ich genieße das totale Wegkommen vom Städtischen und hab den Tag und die Uhrzeiten vollkommen vergessen. Zu Hause war ich schon sehr gestresst und immer unter Strom. Mein letzter richtiger Urlaub ist Jahre her, weil ich wegen Studium und Jobanfang in einer Galerie keine Zeit und kein Geld für einen richtigen Urlaub hatte. Ich genieße die  Woche mit tollen Leuten auf dem Boot und die Abende unter dem Sternenhimmel, der bis zum Horizont runter geht.  Ich wäre gerne noch ein bisschen mehr gesegelt, aber dafür hätten wir noch mehr Wind gebraucht. Die Woche habe ich mit einer Freundin geplant, die ich sonst wegen der großen Entfernung nur selten sehe.  Jetzt bin hochmotiviert, meinen Segelschein endlich zu Ende zu machen.”
Kristina, 27b, aus Köln

“Man fühlt sich so frei.”
Esther, 27, aus Wien

Der Segeltörn an der Lykischen Küste – Artikel über Join The Crew im Azubimagazin von Erik Rossel

Der Törn entlang der Lykischen Küste

Dass ein Segeltörn nicht immer mit hohen Preisen und extravagantem Publikum verbunden sein muss, beweist Join The Crew. Ein Törn mit dieser Crew bedeutet Abenteuer pur.

Der Proviant ist verstaut, die Sicherheitsmaßnahmen wurden besprochen und die Crews für die unterschiedlichen Aufgaben sind eingeteilt. Es wurden Knoten geübt, Leinen geworfen und beim Frühstück die grobe Route besprochen – in einer Woche muss die Cronos in Fethyie, im Südwesten der Türkei einlaufen. Schon ist es soweit. Das große Vorsegel der griechischen Segelyacht bläht sich auf, das Schiff läuft aus. Der Hafen, die Kreuzfahrtschiffe und die Stadtmauern von Rhodos-Stadt werden immer kleiner. Der Törn hat begonnen und Arved, eines der acht Crewmitglieder, schaut glücklich durch seine Sonnenbrille auf die anderen Boote der Flotte. Arveds neue Unterkunft für die kommende Woche bemisst knapp 16 Meter Länge, 4,58 Meter Breite und liegt mit 15.700 Kilogramm Gewicht schwer im Wasser. Der Hafen von Rhodos-Stadt liegt bereits weit hinter der Cronos-Crew und das Schiff segelt auf lange Sandstrände, azurblaues Gewässer, einsame Buchten und belebte Partyorte zu.

Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein
Die gesamte Gruppe hat sich erst kurz vor Antritt der Reise im Hafen kennengelernt. Kontakt bestand bisher lediglich via Internet über das Forum des Veranstalters. Ihre Gemeinsamkeiten belaufen sich auf ihr Alter und Interesse am Segeln. Join The Crew, der Törnanbieter, mit dem die Gruppe unterwegs ist, schickt regelmäßig junge Menschen auf Segelreise ins Mittelmeer und in die Karibik. Zu den 349 Euro, die man in einer Woche für seine Koje bezahlt, kommen rund 100 Euro für die Bordkasse, aus der Essen, Hafengebühren und Sprit finanziert werden. Um An- und Abreise zum Starthafen und zurück nach Hause kümmern sich die Törn-Teilnehmer selbst. „Mit den Törns möchte ich auch zeigen, wie wenig man braucht, um glücklich zu sein“, sagt Dominik, der Join The Crew Chef. Er kam vor sieben Jahren zum Studium nach Deutschland und war verwundert, dass Fahrtensegeln unter jungen Leuten hier noch ziemlich unbekannt war. Daraufhin organisierte er übers Internet eigene Törns und Join The Crew entstand.

Partys & schöne Buchten
Die Skipper von Join The Crew sind nicht nur seglerisch gut ausgebildet, sondern auch sozialfähig und stressresistent.
Laut Jan, einem der Crew-Mitglieder findet hier Kommunikation „locker und auf Augenhöhe“ statt. Gute Stimmung an Bord ist auch für Skipper Dominik kein Zufall: „Vom Segeln fühlen sich Menschen angesprochen, die auf einem Boot auch gut miteinander klar kommen. [...] Personen, die keine Lust auf viele Einweisungen oder Partys haben, würden sich deshalb bei uns nicht anmelden.“ Alle Teilnehmer sind aus den gleichen Gründen an Bord: Segeln, Urlaub und neue Bekanntschaften. Die Sonne scheint, der Anker fällt und Arved springt vom Boot in das Mittelmeer. Das Ziel, „irgendeine schöne Bucht“ ist erreicht. Das Wasser ist so klar, dass man vom Deck aus den Grund sehen kann. Arved taucht auf, lässt sich im Wasser treiben und schaut auf das Boot und die umliegende Bucht. Am nächsten Tag setzt sich die Reise nach einer kurzen Nacht, morgendlichem Schwimmen und dem Frühstück fort. Die Crew löst das Boot von den anderen Yachten der Flotte. Nicht bei jeder Tour auf dem Mittelmeer, ist die See so still. Teile der Gruppe genießen das, anderere haben Angst vor Seekrankheit und sehen sich bereits über die Reling gebeugt. Um dem vorzubeugen singt die Crew gemeinsam Seemannslieder, während der Wind das Schiff auf den Wellen tanzen lässt. Arved machen die hohen Wassermassen nichts aus. Seit Reiseantritt freut sich der 25-Jährige auf den Wind, den die Cronos nun abbekommt. Einige Stunden geht das so, bis das Schiff seinen Anlegeplatz findet. Am nächsten Tag wird die griechische Segelyacht zu neuen fremden Welten aufbrechen, doch für den Moment heißt es, an Deck der Cronos die Nacht zu genießen.

www.join-the-crew.com